Jomdsch (Ëмҷ), Tadschikistan / Yomj (Ëмҷ), Tajikistan

01. September 2010 / September 01, 2010

Heute will ich Chorugh erreichen, die Hauptstadt der autonomen Provinz Berg-Badachschan. Mein chinesisches Visum hat nur eine begrenzte Gültigkeit und ich möchte genügend Reservetage für die Fahrt durch das Pamirplateau. Verpasse ich die rechtzeitige Einreise nach China wird alles sehr kompliziert: ohne Visum kann ich in Zentralasien in kein Land einreisen – ich müßte in Bischkek ein neues Visum beantragen, ein enormer Umweg!
Eigentlich ist mein Tagesziel schon von vornherein unrealistisch: ich habe in den vergangenen Tage durchschnittlich 65 Kilometer zurückgelegt, Chorugh liegt aber 140 Kilometer entfernt! Trotzdem, ich bin motiviert und stur bin ich sowieso.
Das Gelände ist flacher wie in den letzten Tagen, den Großteil des Gefälles des Pjandsch bis nach Chorugh habe ich schon überwunden. Ich komme gut voran aber trotz aller Anstrengung und wenigen Pausen bin ich zu langsam. Ich schaffe es nicht, die stündlich notwendigen Kilometer zu leisten, die notwendig sind, um Chorugh bis Sonnenuntergang zu erreichen. Verbissen fahre ich weiter, ich mache an diesem Tag kein einziges Photo.
In völliger Dunkelheit fahre ich weiter in Richtung Chorugh, kaum kann ich den Straßenverlauf erkennen, ganz abgesehen von Schlaglöchern und großen Steinen auf der Straße. Nach 120 Kilometern, immer noch 20 Kilometer vor Chorugh, passiere ich ein kleines Dorf. Ein Tadschike steht am Straßenrand, sieht mich mit Stirnlampe auf Fahrrad. „Du sollst nicht bei Dunkelheit fahren, es ist zu gefährlich“, sagt er auf Englisch. Nach einem Tag, an dem ich mit kaum einem Menschen gesprochen habe, bin ich froh um ein Gespräch. Wieder einmal bin ich erschöpft, dehydriert und hungrig, gleichzeitig aber getrieben vom Gedanken, Chorugh zu erreichen, wo eine Dusche, ein Zimmer und Essen auf mich warten. „Zwei Stunden mit dem Fahrrad“, bekomme ich als Antwort auf meine Frage, wie weit es noch sei, nach Chorugh. Enttäuschung und Verbissenheit kämpfen in mir.
Muschfik Ilolow lädt mich zu sich nach Hause ein. Er ist, wie ich später erfahre, Bruder des Inhabers der „Pamir Lodge“, die Herberge, die ich heute erreichen wollte. Ich darf auf der geräumigen Veranda seines Pamirhauses Platz nehmen, bekomme ein Abendessen (Nudlen) serviert und anschließend Kaffee – meine erste Tasse Kaffee seit Wochen. Muschfik ist Lehrer im Ort, ein angesehener Beruf mit für mich schockierend niedrigem Verdienst. Monatslohn, in Tadschikistan nicht unüblich, sind 20 Dollar pro Monat! Wie die meisten Familien hat die Familie Ilolow einen großen Gemüsegarten mit Kartoffeln, Tomaten und mehreren Apfelbäumen. Auch Ziegen und eine Kuh werden gehalten, die Familie versorgt sich größtenteils selbst.
Später gesellen sich die Eltern von Muschfik zu uns, ich fühle mich wohl in dieser freundlichen Umgebung. Wieder einmal haben mir die Menschen in Tadschikistan geholfen. In einer für mich schwierigen Situation haben sie mir in selbstloser Weise, geradezu selbstverständlich ihre Hilfe angeboten. Diese Nacht schlafe ich friedlich auf der Veranda der Familie Ilolow, hinter den Apfelbäumen unter dem Sternenhimmel des Pamirs.

I attempt to reach Khorugh, the capital of Gorno-Badakhshan. Actually my plan is unrealistic from the beginning scince I managed to cycle only 65 km in the past days and Khorugh is 140 km away. Still, I am determined, wanting to leave the Panj river with its terribly exhausting and  dusty roads. It is already dark when I reach Yomj, 20 km from Khorugh. Mushfik Ilolov, a local school teacher, invites me to his home. I am served food and later can sleep on the big veranda of their Pamiri house. Again, in a state of exhaustion and despair, when it seemed that things could not get worse, people in Tajikistan reach out and take me off the road. 

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