Archiv für März, 2011

Sost, Pakistan / Sost, Pakistan

Posted in Zentralasien / Central Asia on März 10, 2011 by pamirhighway

30. September 2010 / September 30, 2010

Ich erhalte folgende E-Mail:

Sehr geehrter Herr …!

Danke für Ihre Mitteilung. Aufgrund der großen Sicherheitsgefährdung hat das österreichische Außenministerium für die Provinz Khyber Pakhtunkhwa, die Sie auf ihrer Reiseroute durchqueren müssten, eine Reisewarnung ausgesprochen (siehe Website des Außenministeriums: www.bmeia.gv.at ). Auch ist der Karakorum Highway aufgrund der Flutkatastrophe an mehreren Stellen unterbrochen. (…)
Ich rate Ihnen daher dringendst von Ihrem Reisevorhaben ab. Die österreichische Botschaft in Islamabad kann jedenfalls dafür keine Verantwortung übernehmen und wäre bei auftretenden Problemen nicht in der Lage, adäquate konsularische Hilfe zu leisten. 

Mit freundlichen Grüßen 

Dr. Michael Stigelbauer
Botschafter der Republik Österreich in der Islamischen Republik Pakistan

Nicht gerade gute Nachrichten! Nun, ich stehe in Taschkurgan und viel Bedenkzeit habe ich nicht. Ich entschließe mich für die Weiterfahrt nach Pakistan, schlimmstenfalls drehe ich vor Islamabad um und nehme den Bus zurück nach China. Bezüglich Bus: die letzten 100 km bis zur Grenze dürfen nicht befahren werden, es ist sensitives Grenzgebiet und die chinesischen Behörden machen keine Ausnahmen. Ich darf also schon nach Pakistan den Bus nehmen! Am Busbahnhof treffe ich zwei Tourenfahrer, Stephanie und Julien aus Frankreich. Ich bin beruhigt, ich bin nicht alleine unterwegs!

From Tashkurgan I have to take a bus that crosses 130 km of no man’s land. Cycling further than the Chinese border post in Tashkurgan is not allowed, Chinese authorities are very sensitive about their border areas, especially to Afghanistan.

Busbahnhof in Tashkurgan / bus station in Tashkurgan

Busbahnhof in Tashkurgan / bus station in Tashkurgan

Busfahrt nach Sost / bus ride to Sost

Taschkurgan (塔什库尔干镇), China / Tashkurgan (塔什库尔干镇), China

Posted in Zentralasien / Central Asia on März 10, 2011 by pamirhighway

29. September 2010 / September 29, 2010

Ich fahre über den Ulugrawag Daban Pass (4098 m), direkt vorbei an den Eisriesen Kongur und Muztagata. Die Landschaft ist grandios und nach 100 km und 1000 Höhenmetern erreiche ich Taschkurgan. Morgen ist die Grenze nach Pakistan noch offen, ich habe es geschafft!

http://de.wikipedia.org/wiki/Tashkurgan

After cycling 300 km and climbing 3000 m in three days I reach Tashkurgan in the afternoon. It was hard work and I have reached just in time – the border is open tomorrow, then it will be closed for one week because of Chinese independence day.

http://en.wikipedia.org/wiki/Tashkurgan,_Xinjiang

Kongur / Kongur

Muztagata an der Straße zum Ulugrawag Daban Pass (4098 m) / Muztagata, next to the road to Ulugrawag Daban pass (4098 m)

Landschaft am Ulugrawag Daban Pass (4098 m) / landscape seen from Ulugrawag Daban (4098 m)

Muztagata an der Straße zum Ulugrawag Daban Pass (4098 m) / Muztagata, next to the road to Ulugrawag Daban pass (4098 m)

Karakul (喀拉库勒湖), China / Karakul (喀拉库勒湖), China

Posted in Zentralasien / Central Asia on März 10, 2011 by pamirhighway

28. September 2010 / September 28, 2010

Ein harter Tag: wieder 100 Kilometer, 1000 Höhenmeter. Abends erreiche ich den chinesischen Karakulsee. Ich bin im Zeitplan!

http://de.wikipedia.org/wiki/Karakul_(China)

http://de.wikipedia.org/wiki/Muztagata

http://de.wikipedia.org/wiki/Kongur

A hard day: 100 kilometers, 1000 meters altitude. I make good progress, I am on schedule!

http://en.wikipedia.org/wiki/Karakul_(China)

http://en.wikipedia.org/wiki/Muztagh_Ata

http://en.wikipedia.org/wiki/Kongur_Tagh

Landschaft am Karakorum-Highway / landscape on Karakorum Highway

Karakorum-Highway / Karakorum Highway

Karakorum-Highway / Karakorum Highway

Landschaft am Karakorum-Highway / landscape on Karakorum Highway

Landschaft am Karakorum-Highway / landscape on Karakorum Highway

Karakulsee / lake Karakul

Karakulsee / lake Karakul

Oytag, China / Oytag, China

Posted in Zentralasien / Central Asia on März 10, 2011 by pamirhighway

27. September 2010 / September 27, 2010

Landschaft bei Oytag / landscape near Oytag

Landschaft bei Oytag / landscape near Oytag

Kaschgar (قەشقەر‎/喀什), China / Kashgar (قەشقەر‎/喀什), China

Posted in Zentralasien / Central Asia on März 10, 2011 by pamirhighway

23. – 26. September 2010 / September 23 – 26, 2010

Die verbleibenden 75 Kilometer nach Kaschgar habe ich in drei Stunden hinter mir. Auf einer breiten, vierspurigen Straße fahre ich in Kaschgar ein. Ich bin überwältigt, überfordert: überall neue Gebäude mit Metall- und Glasfassaden, alles ist modern, bunt. Wie ein Außerirdischer, wie ein Dinosaurier komme ich mir vor, ein Relikt aus vergangener Zeit. Die letzten Wochen habe ich in unwirtlichen, menschenleeren Gegenden verbracht, jetzt stehe ich in einer Großstadt, in einem Meer von Motorrollern, Autos und Menschen, Reklametafeln und Beschriftungen! Ich verliere jegliche Orientierung, alles sieht gleich aus. Ich bin umgeben von einer Sprache und Schrift die mir völlig fremd sind, bin verunsichert, weiss nicht wohin ich gehen soll. Ich erkenne ein Hotel an den Uhren über der Rezeption, angeschrieben sind 388, 688, 888 Yuan – die Preise sind astronomisch, höher wie in Europa! Stundenlang laufe ich durch Kaschgar, ich fühle mich verloren wie noch nie in meinem Leben.
Wieder sehe ich Uhren über einer Theke, sie zeigen Peking, Tokio und New York an. Ich fasse mir ein Herz, trete an die Rezeption. Ich frage zuerst auf Englisch, dann Russisch und bekomme jeweils eine chinesische Gegenfrage. Sprachlich scheine ich nicht weiterzukommen, ich versuche es mit Gestik. Ich mache die Schlafen-Geste, gefaltete Hände an meiner Wange, geschlossene Augen, schiefgestellter Kopf. Die Antwort, wieder auf Chinesisch, ich verstehe nicht einmal, ob sie positiv oder negativ ist! Es ist frustrierend, für beide Seiten. Mehrere Minuten reden wir an einander vorbei, ich verstehe immer weniger. Schließlich hat die Hotelangestellte eine Idee: sie ruft ihre Tochter, eine Teenagerin im Schuluniform-Trainer erscheint. Sie hat ihr Mobiltelefon mitgebracht. „One room sleeping, how much“, frage ich. „50 Yuan“, die Antwort. Ich bin begeistert, endlich vernünftige Preise. „One night, 50 Yuan, ok?“, frage ich. „Yesyes, 50 Yuan“, die Antwort. Wieder mache ich die Schlaf-Geste, dann wiederhole ich die Frage „one night 50 Yuan?“ Sie tippt in ihr Handy, zeigt mir das Ergebnis, ich lese „deposit“ – aha, auch noch Sicherheit muss ich hinterlegen – naja, von mir aus, das ist mir jetzt auch gleich. Sie tippt auf den Taschenrechner „50 + 200“, die 200 sind also die Sicherheit, macht 250 Yuan in bar. Ich bezahle und gehe aufs Zimmer. Ich kann es kaum erwarten endlich zu duschen, meine letzte Dusche hatte ich vor mehr als zwei Wochen in Dschelondi.
Sauber und in frischen Kleidern gehe ich aus dem Hotel. Ich habe Hunger, mir ist fast schwindlig. Ich finde ein Fastfood-Restaurant, bestelle Burger. Ich bin erschöpft, muss aber lachen: ich sitze in Kaschgar, verdrücke einen Burger, es ist einfach absurd! Meine gute Laune hält aber nur kurz an. Zurück im Hotel will mir die Rezeptionistin die Zimmerschlüssel nicht zurückgeben! Ich protestiere, verstehe die Welt nicht mehr. Nach kurzem Wortwechsel begleitet sie mich auf das Zimmer, gefolgt von zwei uigurischen Hotelangestellten. Sie sehen meinen ausgebreiteten Schlafsack, den Pamirteppich, meine gewaschene Kleidung, die ich zum Trocknen aufgehängt habe. „You go“, befielt der Uigure. Ich verstehe nicht ganz. „I sleep here“, sage ich. „Sleeping not possible“, erwiedert der Uigure. Ich bin perplex, ich wiederhole meine Absicht, hier zu übernachten. „Sleeping not possible, you go“, ist die Antwort. Zwischenzeitlich habe ich die 200 Yuan zurückerhalten, jetzt bekomme ich auch noch die 50 Yuan Zimmerpreis zurück, „Sorrysorry, not possible“ höre ich. Plötzlich verstehe ich: ich bin in einem Stundenhotel, mein Zimmer ist ein „oclock room“ wie es hier heißt! Mir bleibt nichts anderes übrig, als das Zimmer zu räumen!
Es ist dunkel auf den Straßen Kaschgars. Hundert Meter weiter, erneut ein Hotel. Diesmal ist Doppelzimmer möglich, für die ganze Nacht!
Ich spaziere durch den Basar, da treffe ich auf Mikael, Aurélien und Heloise! Mikael hat mehrere Tage gebraucht um sein Rad mit gebrochener Hinterachse von Karakul nach Kaschgar zu SCHIEBEN. Sein Rad ist jetzt auf der Reparatur. „In Kaschgar gibt’s alles“, das war ein „running gag“ bei unserer Fahrt durch den Pamir – und tatsächlich, wir finden hier alles was das Radlerherz begehrt: Original-Ersatzteile, LX, XT. Wir verabreden uns zum Essen auf dem Nachtbasar vor der Moschee. Abends schlendern wir zu viert durch die Stände, überall wird probiert. Wir stossen mit chinesischem Reisschnaps an, ein 57-prozentiges Feuerwasser mit ähnlichem Geruch wie Fleckbenzin. Wir haben den Pamir hinter uns, die turkmenische Wüste! Wir sind euphorisch, endlich sind wir in China!
Ich denke über die weitere Routenplanung nach, dabei ist mein China-Visum (nur einen Monat gültig) ein Hindernis, ebenso der bevorstehende Winter. Meine geplante Route würde mich durch die Taklamakan führen, 2000 km durch die Wüste, mit wenig Chancen mein Visum zu verlängern. Danach (angenommen, ich hätte verlängern können) stünde mir die Qinghai-Hochebene bevor und das im November! Auf Kälte, Schneefall und schneidenden Wind wie in Tadschikistan und Kirgistan habe ich keine große Lust. Ich überlege hin und her, über die Weiterfahrt durch Westchina und die damit verbundenen Nachteile. Einzige Alternative ist der Karakorum-Highway nach Pakistan. Ich bespreche meine Gedanken mit Aurélien und Heloise, worauf sie mir die Geschichte eines belgischen Radfahrers erzählen, der im Sommer spurlos in Pakistan verschwunden ist. Ich bin schockiert, Pakistan schein unmöglich zu sein! Neben der Flutkatastrophe, dem unterbrochenen Karakorum-Highway, dem Krieg gegen die Taliban verschwinden auch noch Touristen!
Am Sonntag, dem 26. September treffe ich meine Entscheidung. Ich schreibe dem österreichischen Botschafter in Islamabad, mein Reiseziel habe ich fixiert: Pakistan! Ich habe vier Tage für die chinesische Seite, dann ist Nationalfeiertag und die Grenze bleibt für eine Woche geschlossen.

I meet Mikael, Aurélien and Heloise in the bazar. We exchange stories, Mikael had a hard time pushing his bikes for days! I also have an interesting story to tell: without knowing I checked in a hotel that charges by the hour!

Camp am Morgen / camp in the morning

Camp am Morgen / camp in the morning

Camp am Morgen / camp in the morning

Straße nach Kaschgar / road to Kashgar

30 Kilometer vor Kaschgar muss ich auf eine vierspurige Schnellstraße wechseln. Ich bin beeindruckt von der chinesischen Infrastruktur – die Straßen sind nagelneu und in bestem Zustand!

30 kilometers from Kashgar I have to switch to a 4-lane highway. I am impressed by Chinese roads: they are brand new and in perfect conditions!

Blick aus dem Hotelzimmer / view from hotel room

Blick aus dem Hotelzimmer / view from hotel room

Blick aus dem Hotelzimmer / view from hotel room

Hotelzimmer – diesmal werde ich nicht rausgeworfen!

My second hotel room: no „oclock-room“ this time!

Feuertopf-Restaurant / hot pot restaurant

Feuertopf-Restaurant / hot pot restaurant

Feuertopf-Restaurant / hot pot restaurant

ca. 75 km vor Kaschgar (قەشقەر‎/喀什), China / approx. 75 km to Kashgar (قەشقەر‎/喀什), China

Posted in Zentralasien / Central Asia on März 9, 2011 by pamirhighway

22. September 2010 / September 22, 2010

Der Tag startet unfreundlich: es regnet und Nebel liegt über der Landschaft. Ich fahre eine Stunde, im nächsten Ort kaufe ich ein. Plötzlich leichte Aufregung im Dorf: eine Gruppe Tourenradler fährt durch die Hauptstraße, ich muss grinsen, sie sind in voller Regenmontur und sehen dreckig aus – wie ich! Ich erkenne Aurélien und Heloise aus Frankreich, ich habe beide mit Mikael im Pamir Lodge getroffen. Mit von der Partie ist auch Bogdan aus Polen.
Gegen Mittag erreichen wir Wuqia wo wir uns in einer Garküche die Bäuche mit Lahman und Manti vollschlagen. Es hat aufgehört zu regnen und gegen Abend scheint sogar die Sonne. Wir fahren weiter, zufrieden und vom Essen träge. Bei einem langen Anstieg verliere ich – wie gestern – den Anschluss. Wieder campe ich alleine.

It rains in the morning. I meet Aurélien and Heloise from France, friends of Mikael whom I have already met in Khorogh. Together with Bogdan from Poland we cycle to Wuqia where we have great Lahman and Manti. Food in China is great – after a diet of naan and mutton soup we all needed a change!

Camp am Morgen / camp in the morning

Camp am Morgen / camp in the morning

Camp am Morgen / camp in the morning

Straße am Morgen / road in the morning

Ich verlasse das Camp / breaking camp

Stunden später: wieder campe ich unter der Straße!

Hours later: again I camp under the road!

ca. 90 km nach Grenzübergang, China / approx. 90 km after border crossing, China

Posted in Zentralasien / Central Asia on März 9, 2011 by pamirhighway

21. September 2010 / September 21, 2010

Das Wetter wird im Lauf des Tages trüb, am Nachmittag setzt Regen ein. Ich verliere den Anschluß zu Thomas. Es wird dunkel und ich finde unter der Straße einen trockenen, windgeschützten Platz.
Nachts höre ich plötzlich ein Rauschen, es wird lauter und kommt langsam auf mich zu. Keine 30 Meter von mir entfernt treibt ein Hirte seine Herde nach Hause!

It starts to rain in the afternoon. I loose Thomas and decide to camp under the road.

Camp am Morgen / camp in the morning

Ich kann weder die chinesische noch arabische Schrift lesen. Eine interessante Erfahrung ÜBERHAUPT NICHTS zu verstehen!

I can neither read Chinese nor Arabic script. It is an interesting experience not to understand anything!

Trampeltiere / Camels

Straße nach Kaschgar / road to Kashgar

Antenne nahe dem Camp / antenne near camp