Sagirdascht-Pass (Перевал Хабурабат/Сагирдашт), Tadschikistan / Sagirdasht pass (Перевал Хабурабат/Сагирдашт), Tajikistan

29. August 2010 / August 29, 2010

Heute fühle ich mich schon viel besser. Zum Frühstück bekomme ich eine große Schüssel warmer Milch mit Butter serviert was mein Magen gut verträgt. Danach zeigt mir Eltschibekow Salamatschoch sein Haus, den Garten und sämtliche Obstbäume, ich bekomme köstliche Äpfel geschenkt. Die Maulbeeren, so meint er, seien leider noch nicht reif. Im Stall steht nur ein Schaf und ein junges Lamm. Mein Gastgeber erklärt mir, dass seine Herde den Sommer auf Hochweiden im Gebirge verbringt und im Herbst wieder zurückkehrt. Dieses Schaf sei für besondere Gäste, damit Fleisch angeboten werden könne. Ich verstehe nun seine gestrige Frage und bin tief gerührt.
Ich verlasse Kala i Husein und fahre in Richtung Pass. In einem Bach nehme ich ein Bad, wasche meine Kleider die von der Sonne und dem Wind sehr schnell trocknen. Der Anstieg scheint endlos,  es ist heiß und ich fühle mich immer noch schwach von gestern. Am späten Nachmittag erreiche ich ein Teehaus, ich bestelle Hammelfleisch, Naan und Tee, nach zwei Tagen die erste richtige Mahlzeit die ich bei mir behalte. Langsam schiebe ich mein Fahrrad weiter, oft ist der Kiesbelag weich, was zusätzlich Kraft kostet. Bei Sonnenuntergang habe ich die Passhöhe erreicht. Für die dort stationierten Soldaten bin ich eine willkommene Abwechslung, ich werde eingeladen, in einem ihrer Zelte zu schlafen was ich dankend ablehne. Heute brauche ich meine Ruhe, ich möchte noch etwas kochen und dann so früh wie möglich schlafen. Die Landschaft nördlich des Passes war grün und hügelig, beim Abfahren hoffe ich, bald eine geeignete Stelle zum campen zu finden. Ich habe mich getäuscht: die südliche Seite ist steinig und trocken, ein steile Schlucht, mehrere hundert Meter tief! Rasch wird es dunkel. Der Lichtkegel meiner Stirnlampe erhellt nur einen lächerlich kleinen Bereich der Straße, auch ist das Licht zu schwach, ich kann die Unebenheiten nicht erkennen. Nach nur kurzer Fahrt treffe ich ein großes Schlagloch, sofort danach ein zweites und mein Hinterrad ist platt. Ich fluche und schimpfe, brülle in die Schlucht, trotzdem bleibt mir nichts anderes übrig als mein Hinterrad zu flicken. Die Straße ist aus feinstem Staub, erinnert an Zement. So stelle ich mir die Oberfläche auf dem Mond vor, menschenleer und dunkel, denke ich, und ausgerechnet hier habe ich eine Reifenpanne! Nach einer Stunde ist mein Fahrrad wieder fahrtüchtig. Ich unternehme noch einen Versuch abzufahren. Ich sehe die Straße kaum, kein Mondlicht dringt in diesen Abgrund. Nach einer Spitzkehre, die ich erst im letzten Moment erkenne, beschließe ich, mein Fahrrad zu schieben. Ich wate durch knöcheltiefen Mondstaub, abwärts.
Nach einer weiteren Stunde tasten sich Scheinwerfer durch die Schlucht, eine Lastwagenkolonne ist auf dem Weg ins Tal. Die Lastwagen kommen näher und ich erkenne meine Chance: das Fernlicht, ich muß schaffen, vor den Lastwagen zu bleiben! Ich fahre ins Tal, ein KAMAZ im Nacken, ein verrücktes Rennen durch den schwarzen Höllenschlund. Bei einer Steigung kann ich aber nicht mehr mithalten, der LKW überholt mich und ich werde wieder von der Dunkelheit geschluckt. Bis ich heiser bin brülle ich wüste Verwünschungen in die Tiefe. Ich habe wohl meine Chance vertan.
Ich schiebe mein Fahrrad und hinter einer Felsnase erkenne ich die Silhouette des Lastwages, der Fahrer steht draußen und raucht. Wir sprechen kurz und er erklärt mir dass er auf seine Kollegen wartet, die zurückgefallen sind, für mich eine willkommene Pause. Nach einer Viertelstunde wird mir kalt, die Scheinwerfer der LKW sind nicht zu sehen und ich schiebe mein Rad weiter. Mehrere Stunden vergehen, es wird wieder wärmer. Nachts um zwei komme ich an ein Wartehäuschen, es hat einen Betontisch und eine Wasserquelle – perfekt zum Übernachten! Ich koche Nudelsuppe bevor ich auf das Dach klettere und mich dort zum Schlafen hinlege.

Eltshibekov Salamatshokh is a great host: in the morning he serves me warm milk with butter, a meal that gives me back some strengh. Outside of Kala i Husein i take a bath in a river, also washing my clothes. I then spend the whole day pushing my bike up the pass. I decide to descent in order not to camp with the soldiers on top, a decision that I soon regret. It is 2:00 PM when I find a suitable place to camp.

Eine Tochter von Eltschibekow Salamatschoch hat Zucker aus der Küche geholt!

A daughter of my host Eltshibekov Salamatshokh got some sugar from the kitchen! 

Die drei Töchter von Eltschibekow Salamatschoch mit Lamm / the three daughters of Eltshibekov Salamatshokh with lamb

Die drei Töchter von Eltschibekow Salamatschoch mit Lamm / the three daughters of Eltshibekov Salamatshokh with lamb

Im Bürgerkrieg zerstörter Panzer / remains of a tank

Landschaft am Sagirdascht-Pass (3250 m) / landscape at Sagirdasht pass (3250 m)

Sagirdascht-Pass (3250 m) / Sagirdasht pass (3250 m)

Ich bin erschöpft, die Steigung scheint nicht enden zu wollen!

I am exhausted and still I haven’t reached the top!

Noch 42 Kilometer bis nach Kalai Chumb! Ich mache die Erfahrung dass meine Straßenkarte beinahe unbrauchbar ist, die alten Kilometersteine jedoch sind sehr genau!

Still 42 Kilometers to Kalai Khumb! I find out that my road map is hardly accurate but the old milestones are!

Abfahrt in völliger Dunkelheit, kein Mondlicht scheint in die Schlucht, die Straße ist aus feinstem Staub!

It is pitch dark when I ride down the pass!

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2 Antworten to “Sagirdascht-Pass (Перевал Хабурабат/Сагирдашт), Tadschikistan / Sagirdasht pass (Перевал Хабурабат/Сагирдашт), Tajikistan”

  1. „Im Bürgerkrieg zerstörter Panzer / remains of a tank“ Эта БМП свалилась с моста при мне, по дороге от Лангара до Сагирдашта в 1994 году.

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